Niemand muss rechtfertigen, dass er leben will. Wer fragt, warum sich jemand für Kryokonservierung entscheidet, möchte meist etwas anderes wissen.

Die eigentliche Frage ist konkreter. Warum sollte eine vernünftige Person sich für eine Option entscheiden, die vielleicht nicht funktioniert?

Darauf braucht es eine fundierte Antwort statt Werbeversprechen. Dazu muss man zunächst offen sagen, worüber hier entschieden wird.

a lone figure standing at the far end of a long straight road receding toward the horizon
Es geht nicht um die Wahl zwischen Kryokonservierung und dem bisherigen Leben. Zur Wahl stehen die Kryokonservierung und die beiden anderen Möglichkeiten, mit dem Körper nach dem Tod umzugehen.

Worüber tatsächlich entschieden wird

Die meisten vergleichen Kryokonservierung mit dem Weiterleben und halten sie deshalb für die deutlich schlechtere Option. Genau dieser Vergleich ist das Problem, denn Weiterleben steht gar nicht zur Wahl.

Die Entscheidung kommt erst zum Tragen, wenn die Medizin das Leben nicht mehr erhalten kann. Dann stehen drei Möglichkeiten zur Wahl: Erdbestattung, Kremation und Kryokonservierung.

Bei zweien ist das Ergebnis bekannt. Nach einer Erdbestattung zerfällt die Struktur des Gehirns; bei einer Kremation wird sie zerstört. Damit geht auch die materielle Grundlage von Erinnerungen und Persönlichkeit verloren.

Bei der dritten ist das Ergebnis offen. Noch nie wurde ein kryokonservierter Mensch wiederbelebt, und das sagen wir klar, statt es in einer Fussnote zu verstecken.

Man entscheidet sich also nicht zwischen einer sicheren Aussicht auf Weiterleben und einem ungewissen Versuch. Es gibt drei Optionen: Bei zwei steht das Ergebnis fest, bei einer ist es offen.

Vergleicht man Kryokonservierung mit dem Weiterleben, wirkt sie absurd. Vergleicht man sie dagegen mit den beiden tatsächlichen Alternativen, erscheint sie weniger abwegig.

Das erklärt auch, warum der übliche Einwand seltsam wirkt. Der Einwand «Es wird wahrscheinlich nicht funktionieren» wäre nach dieser Argumentation nur dann ausschlaggebend, wenn eine andere verfügbare Option bessere Aussichten auf eine spätere Wiederbelebung böte.

Keine der anderen Optionen bietet eine Aussicht auf spätere Wiederbelebung. Das ist keine rhetorische Figur. Andere Möglichkeiten stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Die Entscheidung ist weniger weitreichend und weniger ungewöhnlich, als sie zunächst klingt. Es geht darum, was mit dem Körper geschehen soll, wenn die Medizin mit ihren dann verfügbaren Mitteln das Leben nicht mehr erhalten kann.

Entscheidend sind die unterschiedlichen Folgen eines Irrtums

Sind die Möglichkeiten geklärt, stellt sich die Frage, welche Folgen eine Fehlentscheidung hätte. Bei beiden Entscheidungen kann man sich irren. Die Folgen wären jedoch unterschiedlich.

Falls die Kryokonservierung keine spätere Wiederbelebung ermöglicht, hätte man dafür Geld ausgegeben, das man nach dem Tod ohnehin nicht mehr selbst hätte nutzen können. Nach dieser Argumentation beschränkte sich der Verlust auf das ausgegebene Geld.

Hätte man sich für die Kremation entschieden und wäre eine Wiederbelebung nach Kryokonservierung später möglich geworden, wäre diese Chance unwiederbringlich verloren. Man könnte die Entscheidung nicht mehr überdenken; ein zweiter Versuch wäre ausgeschlossen, und auch neue Erkenntnisse könnten daran nichts ändern.

Die Entscheidung für Kryokonservierung liesse zumindest die Möglichkeit offen, später von medizinischen Fortschritten zu profitieren. Eine Kremation liesse sich dagegen auch dann nicht rückgängig machen, wenn die Medizin kryokonservierte Menschen künftig wiederbeleben könnte.

Dieser Unterschied verdient Beachtung. Nach einer Kremation könnten auch künftige medizinische Fortschritte keine Wiederbelebung mehr ermöglichen.

Aus diesen Argumenten folgt nicht, dass eine Wiederbelebung wahrscheinlich ist. Es geht darum, wie man entscheidet, wenn nur eine der Möglichkeiten eine spätere Wiederbelebung endgültig ausschliesst.

Auch bei medizinischen Entscheidungen spielt die Unumkehrbarkeit eine Rolle. Eine Reanimation kann auch bei geringen Erfolgsaussichten fortgesetzt werden, weil ein Abbruch endgültige Folgen hätte.

Nach dieser Argumentation ist die Fortsetzung wegen der endgültigen Folgen eines Abbruchs gerechtfertigt, auch bei geringen Erfolgsaussichten.

Manche vermuten dahinter einen argumentativen Trick, der keinen Raum für eine andere Entscheidung lässt. Doch man kann sich weiterhin dagegen entscheiden.

Man kann diese Argumentation nachvollziehen und Kryokonservierung trotzdem ablehnen: aus Kostengründen, aus ethischen Gründen oder weil man sie für sich selbst nicht möchte. Auch nach sorgfältiger Abwägung kann man zu diesem Schluss kommen.

Was Menschen zur Kryokonservierung bewegt

Die persönlichen Beweggründe sind unterschiedlich; bei den meisten, die sich für Kryokonservierung entscheiden, spielen mehrere Motive zusammen.

Am häufigsten ist das medizinische Motiv. Eine Erkrankung, die heute tödlich verläuft, muss nicht für immer unheilbar bleiben; möglicherweise fehlen derzeit die medizinischen Mittel zu ihrer Behandlung.

Was heute als «unheilbar» gilt, könnte künftig behandelbar sein. Die Bezeichnung beschreibt die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten und sagt nicht, dass eine Krankheit grundsätzlich unbehandelbar ist.

Das zeigt sich etwa bei Menschen, die nach einem Ertrinkungsunfall in kaltem Wasser reanimiert werden konnten. Die Grenze zwischen tot und rettbar hat sich verschoben, dank besserer medizinischer Verfahren und Geräte, nicht weil sich die Menschen veränderten.

Wie viel Zeit für eine erfolgreiche Reanimation bleibt, hängt nicht allein vom Herzstillstand ab. Entscheidend ist auch, wie schnell danach die Struktur des Gehirns geschädigt wird. Dieser Prozess lässt sich möglicherweise medizinisch beeinflussen.

Das zweite Motiv ist Neugier, und sie wird stark unterschätzt. In einem Leben von achtzig Jahren erlebt man nur einen kleinen Teil der Menschheitsgeschichte.

Wer wissen möchte, wie sich die Welt weiterentwickelt, empfindet es als besonderen Verlust, diese Entwicklung nicht mehr miterleben zu können.

Das dritte Motiv ist der Wunsch nach mehr Lebenszeit. Wenn Menschen sterben, bleiben oft Vorhaben unvollendet und Entscheidungen offen, weil die Zeit dafür nicht gereicht hat.

Kryokonservierung verspricht nicht, diese Grenze aufzuheben. Sie lässt lediglich offen, ob sich diese Grenze künftig verschieben lässt. Diese Annahme ist weniger weitreichend und lässt sich eher begründen.

Auch wer die Entscheidung aufschiebt, muss mit Folgen rechnen. Viele, die eine Kryokonservierung erwägen, treffen die nötigen Vorkehrungen deshalb nicht rechtzeitig.

Auf den ersten Blick haben diese Beweggründe wenig gemeinsam. Ihnen liegt jedoch dieselbe Überzeugung zugrunde: Der Körper eines Menschen sollte erhalten bleiben, solange offen ist, ob eine spätere Wiederbelebung möglich sein wird.

Was diese Entscheidung nicht bedeutet

Zu einer ehrlichen Antwort gehören auch die unbequemen Aspekte.

Mit der Entscheidung für Kryokonservierung ist keine Gewissheit verbunden. Niemand, der sich dafür entscheidet, kann wissen, ob eine spätere Wiederbelebung möglich sein wird. Anbieter, die etwas anderes suggerieren, verletzen ihre Pflicht zur ehrlichen Aufklärung.

Die Entscheidung muss nicht aus Angst vor dem Tod entstehen. Wer sich dafür entscheidet, spricht über das Sterben oft offener als andere, weil die Entscheidung eine bewusste Auseinandersetzung damit erfordert.

Mit Kryokonservierung lässt sich keine Unsterblichkeit kaufen. Bezahlt wird für die Erhaltung der körperlichen Strukturen, um die Möglichkeit einer späteren Wiederbelebung offenzuhalten.

Gegen Kryokonservierung gibt es berechtigte Einwände. Die gewichtigsten Einwände haben wir hier zusammengestellt und ausführlich erläutert, auch wenn sie gegen unser Angebot sprechen.

Die Person, die dieses Unternehmen leitet, erläutert ausführlich, warum sie das Angebot für vertretbar hält und unter welchen Umständen es das nicht wäre.

Wer angesichts dieser Einwände zu einer anderen Einschätzung kommt, hat guten Grund, die eigene Entscheidung zu ändern. Eine so weitreichende Entscheidung sollte erst nach gründlicher Auseinandersetzung mit den Gegenargumenten getroffen werden.

Niemand sollte diese Entscheidung allein auf die Überlegungen anderer stützen, auch nicht auf unsere. Sie bleibt eine im Kern persönliche Entscheidung.

Wir schulden Ihnen eine sachliche Darstellung der Chancen und eine verständliche Erklärung des Verfahrens. Was Sie damit tun, ist Ihre Sache.

So lässt sich die Entscheidung sachlich beschreiben. Sie sollte weder auf Versprechen noch auf blindem Vertrauen oder Angst beruhen.

Wer sich für Kryokonservierung entscheidet, wählt unter den verfügbaren Möglichkeiten diejenige, die eine spätere Wiederbelebung offenhalten soll.

Kurz gesagt: Menschen entscheiden sich für Biostase, weil sie sich davon erhoffen, die Möglichkeit einer künftigen Wiederbelebung zu bewahren. Eine Garantie gibt es nicht; nach einer Erdbestattung oder Kremation ist eine spätere Wiederbelebung jedoch ausgeschlossen.

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