Manche Menschen entscheiden sich für Biostase, weil der Tod sie ängstigt.

Andere fürchten eher eine Demenz, den Verlust ihrer Erinnerungen oder den Gedanken, nicht mehr mitzuerleben, was nach ihrem Tod geschieht.

Wieder andere sprechen gar nicht von Angst.

Sie leben gern. Die Zukunft interessiert sie. Sobald ihnen Biostase plausibel erscheint und sie sich diese leisten können, ist die Vertragsunterzeichnung für sie einfach der nächste naheliegende Schritt.

Welche Gefühle zu dieser Entscheidung führen, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Angst kann zeigen, was zählt

Angst ist kein Beweis dafür, dass die Kryokonservierung funktionieren wird.

Sie kann trotzdem zeigen, was Sie nicht verlieren möchten.

Vielleicht möchten Sie Ihr Bewusstsein bewahren, eine begonnene Arbeit abschliessen, weiterhin Ihren Alltag erleben oder mit den Menschen zusammen sein, die Ihnen nahestehen.

Angst kann deutlich machen, was Ihnen wichtig ist. Sie sagt aber nichts darüber aus, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie das bewahren können, was Ihnen wichtig ist.

Bei schwerer Krankheit lässt sich dieser Unterschied schwerer erkennen.

Wer unter Zeitdruck steht, verliert leichter andere Aspekte aus dem Blick. Ein beruhigender Satz wirkt überzeugender, wenn die Alternative der Tod ist.

Auch Scham kann die Entscheidung beeinflussen und dazu führen, dass jemand Biostase vorschnell ablehnt. Manche halten es für weise, sich mit dem Tod abzufinden, obwohl sie damit nur ihre eigene Angst verdrängen.

Keine der beiden Reaktionen macht einen Menschen entscheidungsunfähig.

Gerade bei starken Gefühlen müssen die Fakten jedoch im Blick bleiben.

Prüfen Sie die möglichen Fehlerquellen. Fragen Sie, was geschieht, wenn sich der Beginn der Kryokonservierung verzögert. Lassen Sie das geplante Vorgehen von einer unabhängigen Person kritisch prüfen.

Befassen Sie sich später in einer ruhigen Alltagssituation noch einmal mit der Frage.

Hoffnung ist keine Prognose

Hoffnung hat einen besseren Ruf als Angst. Deshalb lässt sich mit ihr aber nicht besser beurteilen, was tatsächlich möglich ist.

Eine solche Zukunft lässt sich leicht ausmalen: Die Krankheit wäre geheilt, die Erinnerungen wären erhalten, vertraute Menschen würden auf Sie warten, und die Gesellschaft wäre bereit, Ihnen zu helfen.

Jedes zusätzliche Detail lässt das Bild echter wirken.

Doch ein detailreiches Bild macht diese Zukunft nicht wahrscheinlicher.

Die Einverständniserklärung von Tomorrow.bio hält fest, dass eine Wiederbelebung heute nicht möglich ist und vielleicht auch nie möglich sein wird; wie wahrscheinlich sie ist, lässt sich nicht verlässlich angeben.

Hoffnung wird zu Wunschdenken, wenn aus dem Wunsch nach einer bestimmten Zukunft unbemerkt die Erwartung wird, dass sie tatsächlich eintritt.

Auch seitenlange fachliche Ausführungen schützen nicht vor diesem Denkfehler, wenn das Ergebnis von Anfang an feststeht.

Trotzdem hat Hoffnung ihre Berechtigung.

Sie kann dazu anregen, eine Möglichkeit genauer zu prüfen, auch wenn ihr Erfolg ungewiss ist. Sie kann helfen, ein Vorhaben über lange Zeit weiterzuverfolgen, auch wenn sein Erfolg ungewiss ist.

Welche Schlüsse die Prüfung zulässt, hängt jedoch von den Fakten ab.

Praktisches Werkzeug

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Die Entscheidung braucht kein Drama

Nicht alle entscheiden sich aus Panik oder grosser Zuversicht für Biostase.

Manche sind schon seit Jahren von den Argumenten überzeugt, hatten bisher aber keine Möglichkeit, ihren Entschluss umzusetzen.

Dann bietet ein europäischer Anbieter die Dienstleistung an. Die Finanzierung über eine Versicherung wird möglich. Eine schwierige Frage erhält eine klare Antwort. Aus dem grundsätzlichen Wunsch wird eine konkrete Vereinbarung.

Manchmal stellen sich die Gefühle erst ein, nachdem die Entscheidung gefallen ist.

Die eine Person empfindet Erleichterung. Eine andere fühlt sich ruhig. Wieder andere empfinden kaum etwas, weil die Unterlagen noch nicht vollständig sind oder die Finanzierung noch nicht geklärt ist.

Keine dieser Reaktionen belegt, dass die Entscheidung richtig ist.

Diese unterschiedlichen Reaktionen zeigen aber, warum es zu kurz greift, Angst und Hoffnung als Gegensätze zu betrachten.

Jemand kann an der wissenschaftlichen Machbarkeit zweifeln und sich trotzdem für Biostase entscheiden. Er kann das gegenwärtige Leben geniessen, ohne von Unsterblichkeit zu träumen.

Man kann sich dafür entscheiden, ohne sich seiner Sache sicher zu sein oder dabei besonderen Mut oder eine innere Veränderung zu spüren.

Auch dieser unspektakuläre Entscheidungsprozess verdient Beachtung, denn viele weitreichende Entscheidungen entstehen auf ähnliche Weise.

Man informiert sich, bis man sich ein Urteil zutraut. Man überlegt, wie viel Ungewissheit man aushalten kann. Dann verschwindet ein praktisches Hindernis, und man handelt.

Gemischte Motive sind normal

Lesen Sie Ihre Gründe noch einmal in einer Situation, in der Sie nicht unmittelbar mit dem eigenen Tod rechnen müssen.

Welche entsprechen weiterhin Ihren eigenen Überzeugungen? Welche haben Sie womöglich von einem Anbieter, einem Kritiker oder einer Onlinegemeinschaft übernommen?

Stellen Sie sich vor, eine Wiederbelebung wäre auch in Zukunft niemals möglich. Wäre Ihnen der Versuch angesichts der heutigen Kosten trotzdem das Geld wert?

Stellen Sie sich nun vor, Sie würden Biostase ablehnen und damit unwiederbringlich auf jede Chance verzichten, die das Verfahren Ihnen möglicherweise bieten könnte.

Welche Entscheidung würden Sie im Rückblick eher bereuen?

Es geht nicht darum, Gefühle auszuschalten. Prüfen Sie, ob Ihre Entscheidung nur dann für Sie stimmig erscheint, wenn Sie einen der beiden möglichen Ausgänge ausblenden.

Angst kann dazu bewegen, eine Entscheidung nicht länger aufzuschieben. Neugier, Liebe oder Hoffnung können die Richtung vorgeben. Durch nüchternes Abwägen lässt sich beurteilen, ob die verfügbaren Fakten für eine Entscheidung ausreichen.

Keines dieser Motive sollte dazu führen, dass Sie die Fakten verzerrt wahrnehmen.

Wie allgemein anerkannte Fakten und persönliche Werte zusammenhängen, wird im Beitrag «Eine zutiefst persönliche Entscheidung» ausführlich erläutert.

Eine ausführlichere Begründung dafür, warum Menschen länger leben möchten, bietet der Beitrag «Über Leben, Tod und die Zukunft».

Kurz gesagt: Angst, Neugier, Liebe und Hoffnung können die Entscheidung alle beeinflussen. Sie erklären, warum Ihnen Biostase wichtig ist, zeigen aber nicht, ob die Kryokonservierung oder eine spätere Wiederbelebung tatsächlich gelingen wird.

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