In diesem Codex geht es überwiegend um Argumente für die Kryonik. Dieser Artikel zeigt ihre Grenzen auf. Wer behauptet, das Verfahren funktioniere in jeder Situation, macht falsche Versprechungen. Wir wollen offen darüber informieren, was möglich ist und was nicht. Kryonik ist nur sinnvoll, wenn das Gewebe noch ausreichend erhalten ist. Theoretisch kann sich jeder dafür entscheiden. In der Praxis ist eine Konservierung jedoch manchmal unmöglich oder erhält das Gewebe nur unzureichend.

Pixel-art illustration of a stainless-steel cryopreservation dewar beside a wall clock in a bright facility.
Ob eine Konservierung möglich ist, hängt meist davon ab, wie viel Zeit seit der Feststellung des Todes vergangen ist.

Zu viel Zeit seit dem Tod

Das ist der wichtigste Grund. Die Konservierung muss beginnen, solange die Struktur des Gehirns noch weitgehend intakt ist, denn diese Struktur beginnt zu zerfallen, sobald der Kreislauf stillsteht. Das Bereitschaftsteam muss deshalb handeln, bevor das Gewebe zu stark geschädigt ist. Es ist derselbe Wettlauf gegen den Zerfall, den das Bereitschaftsteam gewinnen soll. Bei Raumtemperatur nehmen die Schäden innerhalb von Stunden zu. Nach Tagen sind sie unumkehrbar: Mit den Hirnstrukturen gehen auch die Informationen verloren, die durch die Konservierung erhalten werden sollen. Bleibt ein Körper nach dem Tod zu lange warm, lassen sich die für die Kryonik entscheidenden Hirnstrukturen nicht mehr erhalten.

Physische Zerstörung des Gehirns

Auch bei geschädigtem Gewebe kann eine Kryokonservierung noch möglich sein. Bereits zerstörte Hirnstrukturen lassen sich dadurch jedoch nicht wiederherstellen. Schwere Verletzungen, ausgedehnte Hirnschäden, längere Brandeinwirkung oder fortgeschrittene Verwesung zerstören die Hirnstrukturen. Was bereits zerstört ist, lässt sich auch durch Kühlung nicht erhalten. Schäden an anderen Körperteilen beeinträchtigen die Konservierung weit weniger als Hirnschäden, denn im Gehirn sind die Informationen gespeichert, die einen Menschen als Person ausmachen.

Bereits bestattet oder kremiert

Bei einer Kremation werden die Hirnstrukturen vollständig zerstört. Sie können danach nicht mehr konserviert werden. Nach einer Erdbestattung zersetzt sich das Gewebe langsamer. Mikroorganismen und Feuchtigkeit beschleunigen jedoch den Abbau, sodass das Gewebe selbst bei einer Exhumierung nach kurzer Zeit nicht mehr für eine Konservierung geeignet wäre. Nach einer Erdbestattung oder Kremation kommt Kryonik nicht mehr infrage. Auch eine vollständige Autopsie kann eine Kryokonservierung verhindern, allerdings aus einem anderen Grund: Das Gehirn wird entnommen und in Scheiben geschnitten. Zudem werden die grossen Blutgefässe durchtrennt, sodass sich Kryoprotektiva nicht mehr über das Gefässsystem im Körper verteilen lassen. Wird Gewebe ohne Kryoprotektiva eingefroren, bilden sich darin Eiskristalle, statt dass es in einen glasartigen Zustand übergeht.

Das vermeidbare Versäumnis: fehlende Vorbereitung

Die bisher genannten Grenzen ergeben sich vor allem aus dem Zustand des Körpers. Fehlende Vorbereitung ist dagegen ein organisatorisches Problem, das sich vermeiden lässt. An fehlender Vorbereitung scheitern mehr Konservierungen als an schweren Unfällen. Wie gut eine Konservierung gelingt, hängt davon ab, wie schnell das Einsatzteam eintrifft. Dafür müssen die nötigen Vorkehrungen frühzeitig getroffen werden.

  • Finanzierung geregelt. Ist die Finanzierung gesichert, kann das Verfahren ohne Verzögerung beginnen.
  • Unterlagen erledigt. Liegen die erforderlichen rechtlichen und medizinischen Unterlagen bereits vor, kann das Team unmittelbar nach der Feststellung des Todes handeln.
  • Angehörige informiert. Ob das Team rechtzeitig benachrichtigt wird, hängt auch von Angehörigen, Pflegepersonen und anderen nahestehenden Personen ab. Sie müssen Ihre Wünsche kennen und wissen, wen sie anrufen sollen.
  • Sichtbare Kennzeichnung. Ein Notfallarmband oder ein entsprechender Anhänger an einer Halskette macht Ersthelfende direkt auf Ihren Wunsch nach einer Kryokonservierung aufmerksam.

Fehlen diese Vorkehrungen, kann eine Konservierung trotz geeigneten Gewebezustands aus organisatorischen Gründen scheitern.

Kurz gesagt: Eine Kryokonservierung kann nach einer Kremation oder Erdbestattung sowie bei fortgeschrittener Verwesung oder weitgehender Zerstörung des Gehirns unmöglich sein. Wer frühzeitig vorsorgt, verringert zudem das Risiko, dass die Konservierung an rechtlichen oder organisatorischen Verzögerungen scheitert.

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